Das Etui für das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes: Merkmale, Varianten & Bestimmung

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Das Etui für das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes: Merkmale, Varianten & Bestimmung

Von Alexander Belixmann, Militärhistoriker und Experte für das Eiserne Kreuz und das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes

Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes gehörte zu den höchsten deutschen militärischen Auszeichnungen des Zweiten Weltkriegs. Die dazugehörigen Verleihungsetuis dienten in erster Linie dem Schutz der hohen Auszeichnung, sollten aber auch Würde und Wertigkeit unterstreichen. Für Sammler und Interessierte ist heute eine präzise Kenntnis der Details dieser Etuis unerlässlich, da originale Stücke hoch gehandelt werden und der Markt von Fälschungen überschwemmt ist.

Welche Abmessungen und Maße hat ein originales Ritterkreuz-Etui?

Zeitgenössische Originaletuis entstanden grundsätzlich in Handarbeit über einen Zeitraum von fast sechs Jahren. Abweichungen im Millimeterbereich sind daher möglich und nachgewiesen. Die Maßangaben sind als Richtwerte zu betrachten. Die Maße für das Etui wurden generell durch die Präsidialkanzlei festgelegt.

  • Standardetui (Schwarz): Länge 14,0 cm bis 14,5 cm | Breite 7,8 cm bis 8,0 cm | Höhe 2,0 cm bis 2,4 cm | Gewicht um 130 g
  • Präsentationsetui (Rot): Länge ca. 19,5 cm | Breite ca. 13,5 cm
  • Ritterkreuz: Breite 48 mm bis 49 mm | Höhe (inklusive der Sprungringöse) 54 mm bis 55 mm

Aus welchem Material bestehen Gehäusekern und Außenbezug?

Die Basis des Standardetuis bildet ein stabiler Kern aus einer Kombination von Holz und gepresster Pappe. Späte Etuis bestehen im Kern zum Teil nur noch aus gepresster Pappe. Entgegen weitverbreiteter Mythen kam bei regulären Ausgaben kein Kunstleder zum Einsatz.

Das Gehäuse ist mit einem dünnen, tiefschwarzen Lederpapier beklebt. Dieses Spezialpapier erhielt durch Walzenprägung eine feine Narbenstruktur, die optisch an feines Leder erinnert. Das Material ist feuchtigkeitsempfindlich und nicht wasserabweisend. Bei Kontakt mit Feuchtigkeit quillt der Zellstoff auf, die Narbenprägung verflacht und der zur Verklebung genutzte Knochenleim (Heißleim) löst sich.

Die Oberseite des Deckels ist grundsätzlich schlicht gehalten. Es existieren keine geprägten Ordensumrisse oder Aufdrucke, einzige Ausnahme sind die sehr seltenen LDO-Etuis. Typisch für viele Originale ist lediglich eine feine, umlaufend eingepresste Blindlinie nahe dem Deckelrand. Die sehr seltenen LDO-Etuis haben auf dem Deckel ein in Silber eingeprägtes LDO-Logo in der ersten, verschnörkelten Form. Diese Etuis stammen aus dem kurzen Zeitraum von März 1941 bis Oktober 1941, als ein Verkauf des Ritterkreuzes im Ordenshandel möglich war.

Woran erkennt man frühe und späte Ritterkreuz-Etuis? (Eckenformen)

In Sammlerkreisen hält sich die pauschale Einteilung in „frühe eckige“ und „späte runde“ Etuis. Die Praxis widerlegt dies: Es existieren sowohl Etuis mit scharfkantigen, rechtwinkligen Ecken als auch Varianten mit abgerundeten Ecken. Beide Ausführungen wurden über den gesamten Kriegsverlauf parallel produziert. Die Eckenform hing rein vom jeweiligen Zulieferer ab. Eine zeitliche Bestimmung nur anhand der Eckenform ist nicht möglich.

Welche Schließmechanismen und Scharniere wurden verwendet?

An der Vorderseite befindet sich ein mechanischer, federnder Druckknopf. Beim Ritterkreuz-Etui kamen, anders als beispielsweise beim EK1-Etui, ausschließlich runde Stiftformen zum Einsatz:

  • Pilzkopfdrücker: Ein kleiner, runder Knopf mit einer spürbar gewölbten Oberfläche, der deutlich aus dem Gehäuse hervorsteht. Er ist einem Pilz sehr ähnlich, daher auch der Name.
  • Standard-Drücker: Ein zylindrischer Metallstift mit einer flachen, manchmal auch minimal gewölbten, abgeschlossenen Vorderseite.

Die Verbindung von Deckel und Boden erfolgte über ein langes, durchgehendes Stiftscharnier (Klavierband-Prinzip) oder über zwei kleinere, separat eingelassene Einzelscharniere. Sogenannte Halbetuis mit einer Verbindung aus Papier gibt es bei den Ritterkreuz-Etuis nicht.

Der herstellungsspezifische Materialmix

Scharniere und Drücker wurden aus Eisen/Stahl und/oder Buntmetallen (wie Messing) gefertigt. Auch hier existiert keine starre zeitliche Regel. Sowohl in der frühen als auch in der späten Kriegsphase kamen reine Eisen-Komponenten, reine Buntmetall-Komponenten sowie Materialmixe vor – beispielsweise ein magnetisches Stahlscharnier kombiniert mit einem unmagnetischen Messingdrücker. Zum Schutz vor Korrosion wurden die Eisenteile oft mit einer Schicht Messing überzogen.

Wie sieht das Innenleben des Etuis aus und wo lag das Halsband?

Das Interieur des Etuis ist herstellerübergreifend streng zweigeteilt:

  • Deckelinnenseite: Der Himmel ist unterfüttert und mit weißer bis leicht cremefarbener Seide beziehungsweise Kunstseide ausgekleidet.
  • Bodenbereich: Die untere Einlage, meist aus Holz, selten aus Pappe, ist ausnahmslos mit schwarzem Samt bezogen und fest (vollflächig) im Etui verleimt. Anders als bei vielen anderen Etuis aus dieser Zeit lässt sich das Inlay beim Ritterkreuz-Etui nicht leicht herauslösen, um näher untersucht zu werden. Sie besitzt eine passgenaue Aussparung für das Kreuz sowie eine obere Führungsrinne für den Sprungring.
  • Bandunterbringung: Das lange (ca. 70 cm), schwarz-weiß-rote Halsband lag sauber zusammengelegt im „Bandfach“ im oberen Teil des Unterteils, über der Aussparung für das Kreuz. Der Fachboden ist ebenfalls mit schwarzem Samt bezogen.

Herstelleraufdrucke und der seltene Sonderfall Klein & Quenzer

In der Regel weisen Verleihungsetuis, die über die Ordenskanzlei ausgegeben wurden, keine Herstellerkennzeichnungen auf. Der seidene Innendeckel blieb komplett neutral. Dies gilt grundsätzlich auch für den Hersteller Klein & Quenzer aus Idar-Oberstein (Präsidialkanzlei-Hersteller-Code 65).

Eine seltene Ausnahme bei diesem Hersteller bilden einige wenige Etuis mit dem Aufdruck/Stempel im Deckel „Klein & Quenzer AG. Idar-Oberstein“. Dieser Aufdruck befindet sich im Deckel unten links nahe der Ecke und hat die Maße von 20 x 4 mm.

Eine weitere, noch seltenere Ausnahme bilden Etuis mit den codierten LDO-Herstellerstempeln L/52 (C. F. Zimmermann, Pforzheim) und L/15 (Otto Schickle, Pforzheim), jeweils von einem Rechteck umgeben. Sie kommen in schwarzer oder violetter Farbe vor und befinden sich ebenfalls im Deckel im Bereich der linken unteren Ecke. Diese Etuis stammen, wie die seltenen LDO-Etuis, aus der Zeit des Freiverkaufes zwischen März und Oktober 1941. Sie sind extrem selten; es sind jeweils keine zehn Exemplare bekannt.

Rote Präsentationsetuis und Sonderformen für ausländische Generale

  • Das rote Präsentationsetui: Für Generale verbündeter Staaten existierte eine besonders repräsentative Ausführung des Etuis. Diese Boxen waren mit ca. 19,5 x 13,5 cm deutlich größer, ebenfalls rechteckig, aber nicht hochkant, sondern quer angelegt. Außen waren sie mit rotem Echtleder bezogen und trugen einen goldgeprägten Hoheitsadler mit Hakenkreuz auf dem Deckel. Das Innenbett bestand ebenfalls aus schwarzem Samt. Meist befinden sich Ritterkreuze der Firma Zimmermann in diesen Etuis. Ein Empfänger dieses ganz besonderen Etuis war unter anderem der finnische Feldmarschall Carl Gustaf Emil Mannerheim, dem das Ritterkreuz am 30.08.1941 verliehen wurde. Insgesamt wurden 43 Ritterkreuze an Ausländer verliehen – ob jeder dieses besondere Etui erhielt, ist jedoch zu bezweifeln.

Der schützende Umkarton (Transportverpackung)

Um das empfindliche Lederpapier vor Abrieb und Feuchtigkeit zu schützen, wurden die Etuis ab Werk in einem passgenauen Umkarton aus einfacher, spartanischer grauer, bräunlicher oder weißlicher Pappe ausgeliefert. An den Ecken sind diese Umkartons geklammert, in selteneren Fällen auch mit Papierstreifen verklebt.

Da diese Transportschachteln im Alltag größtenteils sofort entsorgt wurden, sind diese Umkartons heute sehr selten und entsprechend teuer. Preise um 3.000,– € sind marktüblich. Im Gegensatz zu den Etuis sind sie grundsätzlich mit einem Herstelleraufdruck versehen.

Etuis für das Ritterkreuz nach dem Ordensgesetz von 1957

Mit der Aufstellung der Bundeswehr 1957 suchte man einen Weg, es den Veteranen des Zweiten Weltkriegs möglich zu machen, ihre verliehenen Orden wieder tragen zu können. Dies war in der ursprünglichen Form mit Hakenkreuz rechtlich nicht mehr zulässig. Als Lösung schuf man ein neues Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen (Ordensgesetz), welches es den Trägern erlaubte, ihre verliehenen Orden in einer abgeänderten Form ohne Hakenkreuz wieder tragen zu können. So auch beim Ritterkreuz. Hier wurde das Hakenkreuz auf der Vorderseite einfach durch einen Eichenzweig ersetzt. Diese neue Form des Ritterkreuzes konnte im Handel erworben werden.

Hersteller dieser neuen Variante des Ritterkreuzes waren u. a. die Firmen Steinhauer & Lück, Lüdenscheid und die Firma Wilhelm Deumer, Lüdenscheid. Zu dieser sogenannten 1957er-Variante wurden wieder Etuis gefertigt. Spätere Etuis ab ca. 1970 sind recht einfach als Nachkriegsfertigungen zu erkennen. Teilweise wurden sie sehr einfach und ohne Drücker gefertigt, in der Regel leuchten sie unter UV-Licht.

Frühe Varianten dieser Etuis sind aber zum Teil sehr nahe am Original und weisen nach über 50 Jahren auch entsprechende Patina und Altersspuren auf. Hier ist insbesondere auf die Papierstruktur genau zu achten. Im Übrigen sind gerade diese frühen 1957er-Etuis inzwischen selbst gesuchte Sammelobjekte, auch wenn sie preislich noch weit von Etuis vor Mai 1945 entfernt sind.

Wie entlarvt man Fälschungen? (Kriterien zur Echtheitsbestimmung)

Bei der Prüfung eines Ritterkreuz-Etuis müssen die folgenden Kernprüfungen auf jeden Fall positiv ausfallen:

  • Der UV-Licht-Test: Die originale weiße Seide, der weiß gestrichene Pappstreifen am Rand des Unterteils und die verwendeten Klebstoffe dürfen unter ultraviolettem Licht (Schwarzlicht) nicht fluoreszieren. Synthetische, leuchtende Aufheller wurden erst nach 1945 industriell eingesetzt. UV-Leuchten ist immer ein sicheres Zeichen für eine Kopie bzw. eine Manipulation am Etui. Umgekehrt ist ein reines Bestehen des UV-Tests noch kein Beweis für Originalität.
  • Substanzprüfung: Bei Abnutzungen an den Kanten des Gehäuses muss graue oder braune Pappe beziehungsweise das darunterliegende Holz zum Vorschein kommen. Jedes Auftreten von modernem Kunststoffgewebe, Nylon oder PVC-Schichten entlarvt das Stück als Kopie. Manchmal ist es möglich, eine einzelne Faser der Deckelseide oder der Scharnierabdeckung zu ziehen. Wenn diese abbrennt und dabei ähnlich wie ein menschliches Haar riecht, spricht dies für eine Naturfaser. Schmilzt sie hingegen, bevor sie verbrennt, deutet dies auf neuzeitliches Kunststoffgewebe hin (Brandprobe).
  • Alterung und Patina: Es klingt pragmatisch, aber stecken Sie die Nase in das Etui. Wenn es alt und leicht muffig riecht, ist das ein gutes Zeichen. Ist es absolut geruchlos oder riecht nach Kunststoff oder modernen Lösungsmitteln, ist Vorsicht geboten. Untersuchen Sie Drücker und Scharnier mit einer starken Lupe. Selbst top erhaltene Originale zeigen unter Vergrößerung nach über 80 Jahren Spuren minimaler Oxidation.
  • Strukturprüfung: Schauen Sie sich das Lederpapier sehr genau an. Prüfen Sie als Erstes, ob es sich tatsächlich um Papier handelt. Kopien verwenden häufig Imitate aus einem dünnen Kunststoffüberzug, ähnlich einer dünnen Folie. Betrachten Sie die Oberfläche im Gegenlicht: Originale Etuis sind matt bis ganz leicht seidenglänzend. Eine stark glänzende Oberfläche spricht für eine Kopie. Untersuchen Sie die Struktur des Papiers genau und vergleichen Sie Tiefe sowie Größe der Maserung. Die Struktur des Lederpapiers ist eines der wichtigsten Erkennungsmerkmale für originale Etuis.

Aktuelle Marktsituation und Fälschungen

Es existiert eine große Anzahl von gefälschten Ritterkreuz-Etuis. Einige sind mit ein wenig Fachwissen leicht zu erkennen, andere wiederum sind handwerklich so gut ausgeführt, dass sie selbst anhand von Fotos kaum noch entlarvt werden können. Vorsicht und ein gesundes Misstrauen sind beim Kauf unerlässlich. Besondere Vorsicht ist bei Angeboten geboten, die preislich zu schön klingen, um wahr zu sein.

Was ist ein originales Ritterkreuz-Etui wert? (Marktwerte)

Der finanzielle Wert richtet sich stark nach dem Erhaltungszustand und der exakten Variante:

  • Frühes Etui (in schöner Erhaltung): ca. 3.500,– € bis 4.000,– €
  • Spätes Etui (in schöner Erhaltung): ca. 2.800,– € bis 3.500,– €
  • LDO-Etui (in schöner Erhaltung): ca. 4.000,– € bis 4.500,– €
  • Etui mit Klein & Quenzer Aufdruck im Deckel: ca. 5.000,– €

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